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Das Ende der Gemütlichkeit

In einer Zeit der Unsicherheit und des Zögerns vor den Nachrichten bleibt die Frage: Wohin führt uns diese Entwicklung? «Anzeiger»-Kolumnistin Regula Rytz beschäftigt sich mit dieser Frage. 

| Regula Rytz | Gesellschaft
Regula Rytz. Foto: zvg
Regula Rytz. Foto: zvg

Kennen Sie das auch: Das kurze Zögern vor dem Einschalten der Mittagsnachrichten im Radio? Verbunden mit der Frage, ob man sich das wirklich anhören will beim Essen? Dass eine russische Rakete eine Geburtsklinik in der Ukraine zerstörte. Dass Millionen von Meerestieren an Plastikmüll verenden. Dass Donald Trump erneut amerikanischer Präsident werden will und die Welt mit Gift und Galle überzieht. Wo soll das alles hinführen? Und was heisst das für uns?

Die Welt droht aus den Fugen zu geraten und das bedrückt viele Menschen. Tatsächlich leben wir in schwierigen Zeiten. Doch war es früher besser als heute? Wohl kaum. Ich kann mich gut daran erinnern, dass ich die Weltlage in meiner Jugend alles andere als gemütlich fand. Die atomare Aufrüstung, die Kriege im Nahen Osten, das Ozonloch, die Reaktor-Katastrophe von Tschernobyl – all das warf dunkle Schatten über meine Zukunft, selbst hier in der sicheren und reichen Schweiz. 

Viele dieser Schatten wären heute noch da, wenn nicht mutige Menschen sie vertrieben hätte. Das «Ozonloch» in der Schutzschicht der Erdatmosphäre zum Beispiel.  Es wurde durch das Verbot von Fluorchlorkohlenwasserstoffen (FCKW) in Kühlschränken, Spraydosen und in der Industrieproduktion entschärft. Nur dank engagierten Wissenschaftler/innen konnte sich die Politik gegen die Industrielobby durchsetzen. Ein internationales Abkommen sorgt dafür, dass sich die lebensrettende Ozonschicht wieder erholen kann. Auch im Bereich der Sicherheit haben internationale Kooperationen schlimme Entwicklungen gestoppt. So leitete der damalige russische Präsident Michail Gorbatschow in Abrüstungsverhandlungen mit den USA das Ende des Kalten Krieges ein. Leider versuchen Putin und andere autoritäre Staatschefs, das Rad der Zeit wieder zurückzudrehen. Gewinnt Russland den Krieg gegen die Ukraine, wird niemand in Europa mehr sicher sein.

Trotz dieser Rückschläge können wir den Lauf der Welt auch heute positiv gestalten. Dies gelingt aber nur, wenn wir uns aktiv dafür einsetzen. „Vonütchunntnüt“, sagte meine Grossmutter immer. Zum Beispiel in der Ukraine. Auch wenn kurzfristig kein Ende des brutalen Angriffskrieges in Sicht ist, hat doch jeder Spendenfranken aus der Schweiz dazu geführt, dass die Menschen zwei eiskalte Winter überlebten. Häuser werden geflickt, zerbombte Wasserrohre repariert, Notstromleitungen gelegt. Dies alles in der Hoffnung, dass die wirtschaftlichen Sanktionen den Wahnsinn endlich stoppen. Bis es so weit ist, kann unsere andauernde Unterstützung etwas Licht in die Dunkelheit von leidenden Familien bringen. Das ist schon so viel wert!

Oder nehmen wir die Klimakrise. Die Erde erwärmt sich in einem Tempo, das Forscher/innen in helle Aufregung versetzt. Denn sie wissen, was es bedeutet und dass kurzfristige Verbesserungen nicht möglich sind. Langfristige aber schon. Deshalb wird alles, was wir heute tun, die Menschen in 20 oder 30 Jahren vor Dürre, Wassernot und dem Kampf um Nahrungsmittel entlasten. Wie wir leben, wie wir konsumieren, wie wir abstimmen und wählen - das macht einen Unterschied. Es sind deshalb auch heute die weitsichtigen, verantwortungsvollen, grosszügigen Menschen, welche die Schatten der Hoffnungslosigkeit vertreiben. Ob es auf dieser Welt gemütlich oder ungemütlich ist, das liegt - im Kleinen und im Grossen – auch in unseren eigenen Händen. Und an unseren Aufträgen für die Politik.


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