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Berner Fachhochschule: Wie es trans Personen in der Arbeitswelt geht

Forschende der Berner Fachhochschule (BFH) haben untersucht, wie sich Nonbinäre und trans Menschen im Arbeitsleben fühlen.

| Berner Fachhochschule | Gesellschaft
Das Team hinter dem Projekt: Dorian Mittner und Andrea Gurtner. Foto: zvg
Das Team hinter dem Projekt: Dorian Mittner (links) und Andrea Gurtner. Foto: zvg

Warum hat die BFH ein Forschungsprojekt zur Arbeits­situation von Nonbinären und trans Personen in der Schweiz durchgeführt?

Das Geschlecht einer Person durchdringt alle ihre Lebensbereiche, es ist eine Eigenschaft, die sich nicht verstecken lässt. Als trans gilt eine Person, wenn ihre Geschlechtsidentität nicht mit dem bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht übereinstimmt. Eine trans Person kann sich als Frau, Mann oder nonbinär verstehen. Trans und nonbinäre Personen sind im Alltag nicht immer selbstverständlich akzeptiert. Dies zeigt sich insbesondere auch am Arbeitsplatz. Mit dem Projekt wollten die Forschenden der BFH herausfinden, wie sich die Arbeitssituation von trans Menschen in der Schweiz präsentiert. Darauf basierend sollen gezielte Massnahmen definiert werden, um die Lage von trans Personen im Arbeitsleben zu verbessern.

Wie sind die Forschenden vorgegangen?

Die Forschenden haben Gespräche mit Personen geführt, die selbst trans sind oder beruflich mit trans Menschen zu tun haben. Ergänzend führten sie eine Online-Befragung durch. So konnten sie einen Überblick über die Lebens- und Arbeitsbedingungen von trans Personen in der Schweiz gewinnen. Die Forschenden wollten zum Beispiel wissen, welche Erfahrungen trans Personen bei der Arbeitssuche und am Arbeitsplatz machen und wie sich diese auf ihr Wohlbefinden auswirken. Diese Informationen liefern wichtige Anhaltspunkte, wie Arbeitsorganisationen trans Personen besser unterstützen könnten.

Zu welchen Ergebnissen ist die Studie gekommen?

Trans Personen sind individuell sehr unterschiedlich, jeder Lebenslauf ist einzigartig. Jedoch hat sich gezeigt, dass jenen Personen, die trans Menschen im Arbeitsleben beraten und begleiten, eine wichtige Rolle zukommt. Dazu gehören zum einen Vorgesetzte, zum anderen Beratende in den regionalen Arbeitsvermittlungszentren (RAV), bei der Invalidenversicherung oder der Berufsberatung. Ein unterstützendes Arbeitsumfeld kann trans Personen bestärken, Ängste zu überwinden und offen zu ihrer Identität zu stehen.

Was waren besondere Herausforderungen, die es im Projekt zu überwinden galt?

Eine Herausforderung für die Forschenden war, die Komplexität des Themas auf das Projekt herunterzubrechen. Zudem gibt es in vielen Organisationen keine Stelle, die für trans Personen zuständig oder auf das Thema spezialisiert ist. Dadurch war es nicht immer einfach, Fachpersonen zu finden, die von ihren Erfahrungen mit trans Personen erzählen konnten.

Welchen Nutzen hat das Projekt für die Gesellschaft?

Von einem offenen und einschliessenden Arbeitsklima profitieren alle Mitarbeitenden einer Firma oder Organisation. Menschen, die sich in ihrem Umfeld angenommen fühlen, sind grundsätzlich motivierter und leistungsfähiger. Aus verschiedenen Studien ist auch bekannt, dass vielfältig zusammengesetzte Teams innovativer und kreativer sind. Da es um das Wohlergehen von Menschen geht, leistet das Projekt auch einen Beitrag an eine sorgende Gesellschaft (Caring Society).

Wie geht es weiter?

Die aus der Studie gewonnenen Erkenntnisse bilden die Grundlage, um Massnahmen abzuleiten, wie sich die Arbeitssituation von trans Menschen verbessern lässt. Im Fokus werden strukturelle Anpassungen stehen. Ein mögliches Beispiel ist ein Leitfaden für Firmen, was bei einem Coming-out einer trans Person zu tun ist, um sie in ihrem Prozess bestmöglich zu unterstützen. Das entsprechende Projekt startet in einigen Monaten. Die Forschenden der BFH werden dabei mit Firmen und Arbeitsorganisationen zusammenarbeiten. Sie sind offen für weitere Betriebe, die bereit sind, an dem Projekt teilzunehmen.

Das Team hinter dem Projekt: Dorian Mittner und Andrea Gurtner

Das Projekt zu Arbeitssituation und Wohlbefinden von trans und non­binären Personen hat die BFH zusammen mit der Organisation Transgender Network Switzerland durchgeführt. Die Projektleitung an der BFH lag bei Andrea Gurtner. Sie leitet das Institut New Work im Departement Wirtschaft. Schwerpunkte ihrer ­Forschungstätigkeit sind Diversity, Equity & Inclusion, neue Arbeits- und Organisationsformen sowie ­Zusammenarbeit in Teams. Dorian Mittner, wissenschaftliche Mitarbeit, ist mit den Schwerpunkten Diversity, Equity & Inclusion, soziale Nachhaltigkeit und Innovation ebenfalls am Institut New Work tätig.

 

www.bfh.ch


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